Michael Kunze und Sylvester Levay über ELISABETH
Michael Kunze arbeitete 1973 als Plattenproduzent in München. Ein Pianist, der für eine Aufnahme vorgesehen war, sagte kurzfristig ab, und die Agentur schickte stattdessen einen jungen Mann namens Sylvester Levay. Michael Kunze erinnert sich: „Mir gefiel sehr gut, wie er spielte, denn er zeigte mehr als das, was Pianisten sonst boten. Er konnte auch arrangieren und komponieren.“
1983 begann Kunze an einer ersten Konzeption für ein Musical über Kaiserin Elisabeth zu arbeiten: „Manchmal kommt es mir vor, als hätte Elisabeth mich gesucht. Ihre Gedichte und die Berichte ihrer Zeit haben eine starke Resonanz in mir ausgelöst. Mir war, als hörte ich sie sagen: Schreibe ein Bühnenstück über mich, in dem ich nicht wie ein kleines Dummchen dargestellt werde, das einen Kaiser geheiratet hat. Ich möchte als eine Frau gesehen werden, die ihrer Zeit hundert Jahre voraus war. Eine Figur wie Elisabeth, mit so vielen dramatischen Momenten, kann man einfach nicht erfinden.“
Michael Kunze wollte kein herkömmliches Musical schaffen, sondern eine große, dramatische Geschichte mit den Mitteln des Musiktheaters darstellen. „Meine Idee war es, die Jahrhundertwende und ihre Umwälzungen in einer Person zu fokussieren. In Elisabeth spiegelt sich nicht nur der Untergang ihrer Epoche, sondern auch der Übergang in eine andere Zeit. Sie war eine hochmoderne Frau, ihrer Zeit voraus und doch so verhaftet in ihr. Elisabeth verkörperte die Überzüchtung ihrer Kultur, dachte aber gleichzeitig modern und emanzipiert und wollte sich selbst verwirklichen. Der Widerspruch des Fin de Siècle wurde in diesem Menschen zum Symbol.“
Fünf Jahre schrieb und feilte Michael Kunze, bis das erste Libretto ausgearbeitet war: Elisabeth und ihr Leben, dargestellt als Liebesgeschichte zwischen ihr und dem Tod. Erzählt von ihrem Mörder Lucheni.
1988 stellt Kunze seinem Freund Sylvester Levay das Konzept für das Musical ELISABETH vor. Levay: „Ich war sofort gefesselt von dieser Idee und sagte spontan zu, mit Michael die Musik zu erarbeiten. Das Faszinierende war, die Ebene zwischen Vergangenheit und Zukunft miteinander zu verknüpfen. Ich sah ELISABETH als meine große Chance, klassische Musik und Rock-Pop verschmelzen zu lassen. Wir wollten kein historisches Stück schreiben, sondern mit unseren heutigen musikalischen Mitteln eine zeitlose Geschichte erzählen. Wer das Stück kennt, weiß, dass es in der Gegenwart spielt. Seine Bühne ist die Welt der Seelen jener Zeit, die keine Ruhe finden.“
Am 03. September 1992 feierte ELISABETH seine Welturaufführung bei den Vereinigten Bühnen Wien. Es folgten Premieren in Japan, Ungarn, Schweden, Holland, Italien, Belgien, Finnland, der Schweiz und in Deutschland. Seither haben 8,5 Millionen Zuschauer das Musical besucht.
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